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PRESSE-INFORMATION

Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e.V.


Anläßlich der Einweihung des Museums für das ehemalige „Speziallager Nr. 7“ (NKWD-Lager)Sachsenhausen am 9. Dezember 2001 gibt der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen 1945-1950 e.V. folgende Informationen zum Sachverhalt an die Presse:
  1. Der Museumsneubau wurde entgegen der Aussagen des Stiftungsdirektors Dr. Morsch nicht im Gelände des ehemaligen KZ-/ NKWD-Lagers - hier II. Zone - erstellt. Es wurde zudem in die Erde verlegt, damit es die Lagermauer nicht überragt!
  2. Der durch seine Mitglieder einstimmig gewählte und dadurch legitimierte Vorstand der Arbeitsgemeinschaft wurde nicht an der Erarbeitung des Ausstellungskonzeptes beteiligt und ist bis heute nicht über Ausstellungsgestaltung und -inhalt informiert.
  3. Die vom Vorstand der Arbeitsgemeinschaft erbetene Benennung eines Redners zur Ausstellungseröffnung ist von der Gedenkstättenleitung abgelehnt worden.
  4. Das gespannte Verhältnis zwischen der Arbeitsgemeinschaft und dem Gedenkstättenleiter Dr. Morsch entstand, als
    1. Dr. Morsch aus siebzig Bewerbern trotz unseres Protestes den Historiker Dr. Prieß - bis zum Ende der DDR Mitarbeiter am Institut für Marxismus/Leninismus des ZK der SED, heute Mitglied der PDS - zur Aufarbeitung unserer leidvollen Haftzeit im „Speziallager“ Sachsenhausen einstellte;
    2. Dr. Morsch sich nur selten an uns gegebene Versprechen hielt, Wünsche und Anregungen der Häftlingsvertreter stets ignorierte, die unmenschlichen Haftbedingungen im Nachkriegslager bagatellisierte und in Presseartikeln zur Gedenkstätte Sachsenhausen das NKWD-Lager nicht oder nur ganz am Rande erwähnt.
  5. Die von Dr. Morsch „Friedhof“ genannten Massengrabanlagen „Kommandantenhof“, „An der Düne“ und im „Schmachtenhagener Forst“ sind keine Friedhöfe! Hier wurden unsere verhungerten und durch unbehandelte Krankheiten umgekommenen Haftkameradinnen und Haftkameraden auch nicht „beigesetzt“ oder „bestattet“, sondern anonym in Chlorgruben verscharrt, wie Müll entsorgt! Die Angehörigen erfuhren erst nach der Wiedervereinigung offiziell vom Tod ihrer Väter, Mütter, Männer, Frauen oder Kinder.
  6. Die der Arbeitsgemeinschaft kameradschaftlich verbundenen Mitglieder - ehemalige Häftlinge und Angehörige von in der Haft Verstorbenen - haben während der letzten Mitgliederversammlung einstimmig beschlossen, daß aus dem Besitz des ehemaligen sowjetischen Lagerleiters Kostjuchin keine Gegenstände in der Ausstellung gezeigt werden sollen. Sie empfinden es als erneute Schändung, die für hervorragende Dienste von Stalin verliehenen Orden im Museum ausgestellt zu sehen. Wir protestieren nicht dagegen, „daß auch bei der Behandlung der kommunistischen Verbrechen der Darstellung der Tätergeschichte ein immer breiterer Rahmen gegeben wird“, aber dann, wie bei NS-Tätern, in einem separaten Gebäude! Allerdings teilen wir nicht Dr. Morschs Meinung, daß „nicht ein abstraktes System, sondern einzelne Menschen für das Leid der 60.000 Häftlinge im Speziallager Sachsenhausen verantwortlich waren“! Lagerleiter Kostjuchin war der willfährige Vollstrecker kommunistischer Gewaltherrschaft! Unsere Forderungen:
    • Nicht länger Verharmlosung der sowjetischen „Speziallager“ und der katastrophalen unmenschlichen Haftbedingungen in diesen Lagern!
    • Die seit Jahren von uns geforderte und von Dr. Morsch versprochene Korrektur des Übersichtplanes/ Lagerplanes am Eingang der Gedenkstätte einschließlich der Darstellung der gesamten II. Zone (52 Baracken, in die zeitweise bis zu je 350 Gefangene eingepfercht waren).
    • Öffnung des zugemauerten Tores zur II. Zone.
    • Deutlich sichtbare Hinweise an authentischen Gebäuden, daß sie von August 1945 bis zum März 1950 vom NKWD als „Speziallager Nr. 7“ genutzt worden sind. So wurden während dieser Zeit in der Pathologie auch die Leichen der durch Hunger und unbehandelte Krankheiten umgekommenen Häftlinge seziert und bis zum Abtransport in die Massengräber im Leichenkeller der Pathologie gesammelt.
    • Auslage von Büchern und Broschüren auch über unsere Haftzeit im Schaufenster des Buchladens am Eingang zur Gedenkstätte.
    • Aufstockung des Beirats II von zur Zeit vier Mitgliedern auf fünf Mitglieder. Der Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten hat zwanzig Mitglieder. Davon entfallen auf die Vertreter des KZ-Lagers - Beirat 1 - fünfzehn Sitze. Der noch freie 20. Sitz muß lt. Dr. Morsch frei bleiben für den Fall, daß die NS-Opfer-Vertreter noch einen 16. Platz haben wollen!
    • Endlich fordern wir, daß schon am Eingang zur Mahn- und Gedenkstätte auf die doppelte Vergangenheit dieses Lagers durch zwei Diktaturen hingewiesen wird.
Wir werden nicht aufhören, gegen die Vertreibung aus auch unserem Lager ständig zu protestieren!

Arbeitsgemeinschaft Lager Sachsenhausen (1945 – 1950) e.V.
Gisela Gneist, Hamburg, 10.12.2001

Spendenkonto:
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bei der BerIiner Sparkasse
BLZ.: 100 500 00